Deutsche Meisterschaft im Motorflug des Deutschen Aero-Club

Nordfriesland. Über den Köpfen der Sportler, die in Husum (Nordfriesland) zum Staffellauf zwischen den Meeren bis Eckernförde aufbrachen. spielte sich Ende Mai die 12. Rallye zwischen den Meeren des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein ab. Sie war eingebettet in die Deutsche Meisterschaft im Motorflug des Deutschen Aero-Clubs. Eine Weile deckte sich sogar der Streckenverlauf mit den Läufern am Boden, bis die Fliegerkurz vor der Ostsee Richtung Halbinsel Schwansen abdrehten und über Nortorf bei Rendsburg und Heide (Dithmarschen) wieder nach Schwesing(Nordfriesland) heimkehrten, der Standortgemeinde des Flugplatzes Husum. Organisatoren vor Ort waren die Mitglieder der Sportfluggruppe Husum.

Tage vor dem Start hatte alles mit einem Empfang auf dem Restaurantschiff "Nordertor" im Husumer Binnenhafen angefangen. Dort hatte Rolf Obelöer als stellvertretender Vorsitzender des Luftsportverbandes SH von der "zunehmenden Attraktion des Luftsports über dem Land der Horizonte" gesprochen, was sich an den steigenden Zahlen der Mitglieder in den Vereinen und der Teilnehmer an Wettbewerben wie diesen ablesen lasse. Wolfgang Müther, Präsident des Deutschen Aero-Clubs, eröffnete die Wettbewerbe, an denen er selbst mit seinem Crew-Kameraden Claus Blohm teilnahm. Lothar Pletowski, stellvertretender Bürgermeister von Husum, steuerte bei dem Auftakt noch Anekdoten aus seiner Zeit als Bundeswehrpilot im Kalten Krieg bei, unter anderem die, dass die Jets mehr als einmal frische Krabben nach Süddeutschland transportierten. Und Siegfried Puschmann, stellvertretender Kreispräsident, unterrichtete die Hobby-Piloten schon mal vorab über die landschaftlichen und wirtschaftlichen Merkmale Nordfrieslands.

Nachdem am folgenden ersten Wettkampftag wegen zu niedrig hängender Wolken Fliegen unmöglich war, strahlte die Sonne anschließend bis zur Siegerehrung und bot damit allen beste Wettbewerbsbedingungen. Im Kern ging es um meter- und sekundengenaues Passieren von Wendepunkten und um präzise Landungen in markierten Feldern auf der Landebahn. Die besondere Herausforderung liegt bekanntermaßen darin, dass die Crews nur Abbildungen von Kirchen, Brücken oder schlichte Weggabelungen zwischen Feldern und Wiesen mitbekommen, die kaum größer als Scheckkarten sind. Und die haben sie von oben zu identifizieren - ausschließlich mit Karte und Kompass und unter Verzicht auf die modernen elektronischen Navigationshilfen.

Bestens verpflegt wurden die Piloten durch die Landfrauen des Husumer Ortsteils Schobüll, die die drei Tage Frühstück, Mittagessen und Kuchen mit Kaffee servierten und auch ansonsten für gute Laune sorgten, wenn das Wetter zu trübe oder die Ergebnisse einzelner vom Gros abfielen.

Sieger in der Landeswertung der Rallye zwischen den Meeren war (in Klammern die Flugplätze oder Vereine) Rolf Obelöermit seinem Sohn Rouven (Kropp), gefolgt von Oliver und Kjell Hauke Buchholtz sowie Leve Kühl und Marius Ketelsen (alle Leck). In den Wettbewerben zeigten sich zweierlei Trends: Erstens gibt es immer öfter Vater-Sohn oder Vater-Tochter-Teams, womit Können und Leidenschaft für den Flugsport offenbar vererbbar ist. Und außerdem starten viele junge Piloten mit Segel- oder Motorflug in ihrer Freizeit und verbinden später ihr Hobby mit ihrem Beruf. So war Rouven Obelöer während der Siegerehrung schon wieder auf dem Weg zum Flug im Cockpit einer Lufthansa-Linienmaschine auf der Langstrecke zwischen Frankfurt und Denver/Colorado.
Die weiteren Ergebnisse der Rallye zwischen den Meeren 2016: Jürgen Fritz und Kay Reichardt (Husum) auf Platz vier, gefolgt von Hans-Joachim Storm und Hauke Carstensen (Leck), Dirk und Tim Schäfer (Leck), Jürgen Reese und Rainer Schulze (Kiel), Kwanju Lee und Klaus Bornholdt (Husum), Hans-Joachim Otto und Stefan Mohrdieck (Kiel) sowie Claus Blohm und Wolfgang Müther (Flensburg).

Auch die Sieger der parallel veranstalteten Deutschen Meisterschaft im Motorflug sind beruflich mit der Fliegerei verbunden. Marcus Ciesielski ist Pilot bei Air Berlin, und seine Frau Astrid (beide Ratingen) arbeitet als Flugbegleiterin. Marcus Ciesielski betonte, dass in diesem Jahr die endgültigen Platzierungen im vorderen Teilnehmerfeld erst im letzten Moment absehbar waren. "So gesehen war dies eine der spannendsten Rallyes." Er dankte bei der Gelegenheit gleich im Namen aller Crews Ralf Grunwald als Wettkampfleiter des DAeC und dem Helferteam der Sportfluggruppe Husum unter der Leitung ihres Vorsitzenden Kay Reichardt. Marcus erzählte am Rande der Siegerehrung, dass er jede der zwölf Rallyes zwischen den Meeren des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein mitgemacht habe. Im Laufe der Jahre habe er viele Freundschaften mit anderen Teilnehmern schließen können. Für ihn als Berufspilot sei es besonders anregend, durch die Hobbyfliegerei auch mit Vertretern ganz anderer Berufsgruppen in Kontakt zu kommen, seien es Ärzte, Erzieher oder Programmierer. "Die habe ich alle hier kennen gelernt."

Auch auf den folgenden Plätzen lagen wieder Familienteams: Arnold und Dörthe Grubek (HFC Frankfurt) auf dem zweiten Platz, gefolgt von Thomas Kirchner mit seiner Tochter Alexandra (Schwarzheide/Schipkau), Esther Rimensberger (Schwarzheide/Schipkau), Helmut Bäder/Gerhard Spreng (FMS Kirchheim), Ralf-Rainer und Lucas Schmalstieg (AC Hodenhagen), Roland und Hans Pietsch (Aeroklub Hoyerswerda), Rolf und Rouven Obelöer (Kropp), Klaus und Renate Heege (Baden-Baden), Peer Zitzmann/Hans Eberhard (Schwarzheide/Schipkau), Werner Lindner/Peter Denzler (HFC Frankfurt), Phillip Schlund/Julia Künne (AC Hodenhagen), Robert Deppe/Karla Moses (LSG Breitscheid), Rüdiger Mahnhardt/Uwe Semisch (FSC Neubrandenburg), Oliver und Kjell H. Buchholtz (Leck), Max Funck/Holger Hackstein (Reichelsheim), Andreas Huth/Jörg Meyer (Bremen), Jürgen Fritz/Kay Reichardt (Husum) und Claus Blohm/Wolfgang Müther (Flensburg).
(Text: Birger Bahlo/Luftsportverband SH)

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